11. Dezember 2022, 20:00 Uhr



"Festliches Adventkonzert"


Programm:

Joseph Haydn
"Missa in Tempore Belli - Paukenmesse"


Weihnachtliche Musik - Internationale Weihnachtslieder

Freu' dich Erd- und Sternenzelt (Böhmen)
Der Morgenstern ist aufgedrungen (Deutschland)
Joulun kellot (Finnland)
Deck the Halls (Wales)

Choräle aus Bachs Weihnachtsoratorium:
Choral Nr. 5: Wie soll ich dich empfangen
Choral Nr. 12: Brich an, o schönes Morgenlicht
Choral Nr. 28: Dies hat er alles uns getan
Choral Nr. 46: Dein Glanz all Finsternis verzehrt
Choral Nr. 59: Ich steh an deiner Krippen hier

Wolfang Amadeus Mozart
"Sinfonie g-Moll KV 550" 2. Satz Andante

Schön ist die Erde (Schlesien)
Die Geburt Christi (Ukraine)
Quelle est cette odeur agréable (Frankreich)
När juldagsmorgon glimmar (Schweden)
Weihnachtshymne (England)

Zum Mitsingen:
Tochter Zion (Deutschland)
O du fröhliche (Sizilien)
Menschen, die ihr war't verloren (Deutschland)


Aufführende:

Annabelle Heinen, Sopran
Verena Kronbichler, Mezzosopran
Ricardo Marinello, Tenor
Johannes Fritsche, Bariton

Chorgemeinschaft Cäcilia Zündorf
Concert-Chor Concordia Hürth

Kammerphilharmonie Rhein-Erft

Christian Letschert-Larsson, Leitung
   

Kölner Stadt-Anzeiger vom 13. Dezember 2022 - Hürth
von Ulrike Weinert

Ausdrucksstark in allen Stimmlagen
Der Concert-Chor-Concordia Hürth führte Haydns Paukenmesse und weihnachtliche Musik in der Kölner Philharmonie auf.

Der Erste Koalitionskrieg tobte noch, als Joseph Haydn 1796 sein Werk „Missa in Tempore Belli“ (Messe in Kriegszeiten) komponierte. Preußen, sein Heimatland Österreich und kleinere deutsche Staaten verteidigten die Monarchie gegen Napoleon Bonaparte und das revolutionäre Frankreich. Längst hat sich für die berühmte Komposition der Name „Paukenmesse“ durchgesetzt - wegen des Trommelwirbels im finalen Agnus.

Unter dem Titel führten der Concert-Chor-Concordia Hürth und die Chorgemeinschaft Cäcilia Zündorf das Opus in der Kölner Philharmonie auf. Eine Herausforderung, die gelingen konnte, weil Christian Letschert-Larsson sowohl die beiden Chöre als auch das begleitende Orchester, die Kammerphilharmonie Rhein-Erft, leitet.

Vom Kyrie an stellte sich Harmonie zwischen den rund 90 Chorsängerinnen und -sängern, den vier jungen Gesangssolisten Annabelle Heinen, Sopran, Verena Kronbichler, Mezzosopran, Ricardo Marinello, Tenor, Bariton, Johannes Fritsche, Bariton, und dem Orchester ein. Ob Drama, Triumph, Trauer oder religiöse Andacht, besonders die starke Soprangruppe drückte die wechselvollen Stimmungen aus. Nicht immer konnten sich die Tenöre und Bässe der zu knapp einem Drittel vertretenen Herren behaupten. Schöne Momente klangen aber immer wieder durch, wie im leisen und äußerst langsam zu singenden „Dona nobis pacem“ (Gib uns Frieden) des Agnus.

Die Amen-Variationen im Gloria hätten akzentuierter kommen können. Dennoch lauschte das Publikum durchweg gebannt, vor allem den Soli im Benedictus, die im Hosanna der Chöre gipfelten. Die Trommelwirbel auf der doppelten Pauke unterlegten das Agnus und trieben die Melodie voran, ohne zu dominieren. Festliche Töne gaben die Trompeter in einzelnen kurzen Fanfaren dazu. Eher kurz und ohne großes Schluss-Crescendo klingt die Paukenmesse aus. Insgesamt kamen Gesänge und Orchestermusik wie aus einem Guss herüber. Langen Applaus gab es in der Philharmonie für eine schöne Aufführung.

Nach der Pause unterhielten die Hürther und die Zündorfer mit A-cappella-Chorsätzen aus Böhmen, Deutschland, Finnland und Wales, darunter „Freu„ dich Erd und Sternenzelt“ und „Der Morgenstern ist aufgedrungen“. Außerdem bereicherten Choräle aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, der Andante-Satz aus Mozarts Sinfonie g-Moll als Orchester-Interludium und Liedvorträge der Solisten das Adventskonzert. Dass alle Musizierenden auf baldigen Frieden für in Europa hoffen, sollte wohl die Botschaft des ukrainischen Weihnachtslieds „Die Geburt Christi“ sein.

Zum Schluss wurden gemeinsam „Tochter Zion“, „O Du Fröhliche“ und „Menschen, die ihr wart verloren“ gesungen.





Kölner Stadt-Anzeiger vom 15. Dezember 2022 - Köln-Porz
von Beatrix Lampe

Friedensbotschaft mit schönen Stimmen

Mit ihrem Gemeinschaftskonzert in der Philharmonie schenkten vier Solisten, zwei Chöre und ein Orchester musikalische Adventsstimmung und Friedensgrüße.

Frieden in der Welt - das ist der in Musik gefasste Wunsch vieler weihnachtlicher Konzerte. In diesem Jahr erschüttert der Krieg in der Ukraine die hierzulande zuweilen als selbstverständlich hingenommene Friedensgewissheit für Europa. Da war die Aufführung der „Missa in tempore belli“, zu der die Chorgemeinschaft Cäcilia Zündorf in die Kölner Philharmonie einlud, von besonders eindrucksvoller Aktualität.

Paukenwirbel der Armee
Ein Trommelwirbel mischt das „Agnus Dei“ auf und verleiht der gesungenen Friedensbitte in Joseph Haydns „Messe in Kriegszeiten“ eine höchst reale Erinnerung an die raue Wirklichkeit. Haydn hat die „missa in tempore belli“ im Jahr 1796 komponiert, zu einer Zeit, als Napoleons Armee aus Italien näher rückte und Wien bedrohte. Die Paukenschläge empfand der österreichische Komponist dem seinerzeit typischen französischen Armee-Paukenwirbel nach und setzte in der eher heiter anmutenden Messe einen bedrohlichen Akzent, der auch gut 225 Jahre später verstanden wird.

Zur Aufführung der Messe hatte sich die Chorgemeinschaft mit den etwa 60 Sängerinnen und Sängern des Concert Chors Concordia Hürth zusammengetan, der gleichfalls unter dem Dirigat von Christian Letschert-Larsson steht. Die Solopartien sangen Annabelle Heinen (Sopran), Verena Kronbichler (Mezzosopran), Ricardo Marinello (Tenor) und Johannes Fritsche (Bass) . Unter Letschert-Larssons künstlerischer Gesamtleitung spielte die von ihm gegründete Kammerphilharmonie Rhein-Erft. Das aus dem links-und rechtsrheinischen Raum zusammengestellte Konzertensemble beglückte die Gäste mit ebenso frischer wie ausgereifter, harmonisch zusammengewachsener Leistung.

In der Messe, die zu Haydns Spätwerk zählt, konnten die Solisten und die fast 90 Sängerinnen und Sänger aus beiden Chören aus dem Vollen schöpfen. Der Komponist wählte in seinen letzten Lebensjahren für seine Kompositionen eingängige Motive, die er reizvoll strukturierte und nicht selten mit Unerwartetem aufpeppte. Das wurde sehr populär, kam aber bei den Verfechtern tiefernster Kirchenmusik damals nicht immer gut an. Heute „darf“ Gläubigkeit allerdings aus mehr als Zerknirschung der Sünder bestehen. Zum Glück: Das Lebhafte und Trostgewisse, das in Haydns Musik zur Messliturgie aufscheint, brachten die Laienchöre zum Strahlen, die Solistinnen und Solisten setzten Glanzlichter auf.

Dem Dirigat folgten die Chöre mit hoher Aufmerksamkeit, zogen die Gäste mit sauberer Rhythmik, klarer Artikulation, schöner Phrasierung und stets spürbarem Gemeinschaftssinn in den Bann. Vom hellwachen Kyrie bis zum lebhaft-bewegten Dona nobis pacem überzeugte das Ensemble, dem die Freude am Singen vor Philharmonie-Publikum nach der langen Coronapause anzuhören war. Das Orchester lieferte dazu weit mehr als nur Begleitmusik. Die Instrumentalistinnen und Instrumentalisten ließen hohe Können aufscheinen und verstanden es, stetige Präsenz zu zeigen ohne sich gegenüber den Gesangsstimmen in den Vordergrund zu spielen.

Lied aus der Ukraine
Im zweiten Konzertteil konnte das Orchester seine Kunst mit dem zweiten Satz aus Mozarts Sinfonie g-Moll KV 550 eindrucksvoll unter Beweis stellen. Und jetzt nutzten sämtliche Aufführenden die Gelegenheit, bei weihnachtlichem Liedgut Freude zu schenken. Unter anderem war ein ukrainisches Lied dabei, mit dem der Chor an die Friedensbotschaft der Paukenmesse anzuknüpfen verstand.

So unterschiedlich wie das Fest in diversen Ländern begangen wird, fallen auch die Lieder aus. Die vier Solisten, beide Chöre und das Orchester fühlten sich musikalisch in jubelnde Freude wie in sanftes Sehnen ein, ohne je ins Süßliche abzugleiten. Allein schon für die wunderbar differenzierte Aufführung des walisischen Liedes „Deck the Hall“ hätte sich der Besuch gelohnt. Mit Weihnachtsliedern, die das Publikum endlich wieder mitsingen durfte, verabschiedeten sie die Aufführenden und ihr Dirigent. Sie wurden erst nach anhaltendem, begeistertem Applaus von der Bühne gelassen.